Wahrheit oder Pflicht?

 

Kennt ihr doch bestimmt. Dieses tolle Spiel! Ich fand das immer schon merkwürdig, wie auch  gleichermaßen interessant. Vor allem fand ich diejenigen spannend, die Pflicht sagten. Immerhin hatten die allen ernstes die Bereitschaft Befehle auszuführen, die sie bereit waren auszuführen, noch bevor sie wussten, was kommen wird. 

Wer nicht ordentlich mitspielte, galt als Spielverderber. 

 

Ich hatte kein Problem mit dem Spiel an sich, jedoch war ich kein gern gesehener Teilnehmer. Immerhin sagte ich stets “Wahrheit”, denn was ist schon dabei? Die Wahrheit tut ja nicht weh. Vielleicht kommt sie mal peinlich berührt über die Lippen, aber die Wahrheit meint es zumindest immer gut und richtet zudem keinen Schaden an. Sie sorgt für Klarheit und dies ist für jegliches Unternehmen die beste Voraussetzung. 

 

Wenn ich Befehle erteilen musste, erteilte ich solche, die freundlich waren und das war wohl nicht so ganz der Wunsch manch anderer Spieler. Am liebsten gesehen waren die Befehle, die möglichst peinlich, unangenehm oder bescheuert waren oder zumindest Überwindung kosteten. Ganz beliebt waren auch Kommandos, die in welcher Art und Weise auch immer, mit einem gewissen Risiko verbunden waren.

 

Ich gab am liebsten Befehle, die weder weh taten, noch unangenehm waren oder peinlich. Also ließ ich meine “Untertanen” zum Beispiel nette Sachen verrichten, so wie: “Knuddele mal deinen Sitznachbarn zwei Minuten lang". 

 

Meistens wurden meine Fragestellungen und meine Befehle fad empfunden. Niemand mag das anscheinend, wenn ein “Regent” was Liebevolles fordert. Sehr aufschlussreich, nicht wahr? Hauptsache es kracht ordentlich, ist möglichst unerträglich oder einfach nur dumm oder gemein. Dann ist alles gut und es gibt, Gelächter, Schadenfreude oder sogar Lob, wenn nicht direkt Ansehen, weil man etwas getan hatte, was ja ach so “mutig” war.

 

Der Mensch besitzt ein riesengroßes, ausgeprägtes Talent. Nämlich das Talent, vorgesetztes Denken anzunehmen. Aus dem vorgesetzten Denken, das sie sich meist unbewusst zu eigen machen, folgen bewusst unfreiwillige Taten, die freiwillig ausgeführt werden. Wie widersprüchlich und beängstigend zugleich. 

 

Das erinnert mich an den berühmten Esel mit der Karotte an der Angel. Obwohl es ganz schön fies ist, dem lieben Esel gegenüber. Ist er doch friedlich und tut keinem was zuleide. Aus Angst jedoch ist er geneigt Dinge zu tun, die man ihm aufzwingt. Das dumme ist also nicht der Esel, das dumme ist immer der Mensch, der sich nicht im Griff hat und das versucht zu kompensieren, indem er praktiziert, andere in den Griff zu nehmen … um wenigstens irgendetwas im Griff zu haben, wenn es an sich selbst schon nicht klappt. Das ist sogar einfacher als das "sich selbst im Griff haben". Vermutlich wird es deshalb gern an anderen angewendet. Der Mensch ist sehr bequem, das wissen wir doch ;) 

 

Zurück zum Esel. Um einen Esel dazu zu bringen einer Karotte nachzulaufen, die er nie erreichen wird, muss man ihm nur etwas vorgaukeln. 

Man muss ihm  EINDRINGlich weise machen, dass er die Karotte will und NUR die Karotte will. Am einfachsten geht das, wenn man den Esel zuvor halbwegs gut behandelt hat. Er vertraut dann dem Vorgesetzten und ist viel leichter hörig. 

Hat der Esel erstmal geschluckt, dass er denkt, die Karotte haben zu wollen, rennt er los. Und er rennt. Solange, bis er… Umfällt. Es gibt auch die Esel, die sich nicht ewig an der Nase herumführen lassen und die bockig werden, wenn sie den Schwindel erkannt haben.

 

Wenn der störrische Esel dann nicht hören will, oder wenn er versucht auszubrechen, wird er unter Druck gesetzt. Das geht von kleinen Sticheleien bis hin zur Folter, wenn es sein muss. Sie hat zum Zweck, dass der Esel lieber die Karotte will, als bestraft zu werden. Er sucht sich schlussendlich das kleinere Übel. Solange er brav tut, was man ihm sagt, denkt er, wird er wenigstens nicht misshandelt, obwohl er in dem Moment schon derb misshandelt wird. Doch das denkt er sich einfach schön. Er fokussiert die Karotte. Die gibt ihm zumindest das Gefühl von Freiheit. 

 

Wahrheit oder Pflicht, Esel und Karotte haben gerade Hochkonjunktur. Denn ist es nicht so, dass überall einer mit einer Karotte herumfuchtelt? Umso weniger die angepriesene Karotte gewollt wird, umso hysterischer und aggressiver wird dieses Gefuchtel! 

 

Dabei gibts  eben auch die, die einfach keine Karotte haben wollen. 

Doch leider ist es so, dass wir nicht entscheiden dürfen, was wir wollen. Das ist nichts Neues, doch momentan halt vielleicht etwas “auffälliger”, nicht?

Wir müssen wollen, was wir wollen sollen. 

 

Ob die Karotte jetzt das Allheilmittel ist oder nicht, ob sie bekömmlich ist oder nicht, ob sie schmeckt oder nicht .... Die einen wissen alles, andere mehr als die anderen, manche noch mehr und schlussendlich weiß niemand wirklich was. 

Wärs nicht einfach, wenn man es einfach ließe? 

 

Wer Karotten essen will, soll das tun, wer sie nicht essen will, soll das doch einfach lassen. Selbst wenn Karotten in Aktion sind oder verschenkt werden, dann muss das doch noch immer nicht heißen, dass alle, solange die Aktion gültig ist, Karotten essen müssen. Man könnte ja vielleicht so machen, um es sympathischer zu gestalten und damit auch etwas glaubhafter, wenn schon die Karotten ja tatsächlich solch edle Teile sein sollen. Wie wärs, wenn es so hieße: 

"Karotten gratis bis Pfluftldienstfreitag".

Wer danach auf den Geschmack kommt, muss pro Karotte den Adventskranz beten, 47 Purzelbäume flechten und drei Kilo Stroh zu Gold spinnen oder eben schlicht und einfach kaufen. Das würde Karottenfreund, sowie Karottenfeind milde stimmen, die Karottenanpreisung wäre weitaus glaubhafter und alles wäre gut.

 

Die einen freuen sich über den geschenkten Gaul, die anderen schauen ihm lieber ins Maul und überlegen, ob sie kaufen wollen oder nicht. Wäre das nicht ein entspannter Weg, es allen Recht zu machen? Immerhin weiß man ja, dass einer der Karotten ist ebenso, auch wenn er noch so vollgepumpt ist mit Supernährstoffen der Superkarotte, eine Erkältung verstreuen kann, genauso wie der nicht Karottenesser.

 

Die Regel müsste also lauten: Übernimm die volle Verantwortung für das, was du entscheidest zu tun. Punkt.

Regeln...

Sie gehören ja sogar zu unserem natürlichen Sein. Unser Körper regelt ja auch seine Dinge. 

Wir beschließen, was er bekommt und er regelt dann, was er damit anstellt. Sind unsere geistigen Regeln so aufgestellt, dass wir unserem Körper liefern, kann er seine Dinge mühelos zu seinen Gunsten regeln. Geben wir ihm Dinge, die ihm schaden, denn wird er auch das regeln und im schlimmsten Fall kann er nichts mehr regeln, muss dicht machen oder aufgrund von Übermüllung die Arbeit einstellen. Tja Regeln...

Immer wieder höre ich das Argument, es müsse Regeln geben. Ja aber sicher doch. Sind ja ganz natürlich. So funktionieren nun mal Systeme. 

Es muss klare Linien geben, damit es keine ausschreitenden Auseinandersetzungen gibt. 

Regeln sind für ein friedvolles Miteinander unumgänglich. 

 

Doch diese Rechnung geht nur solange auf, solange sie das Außen betreffen. Ich meine das, was wir jeden Tag erleben im Außen, ist das, was wir als unser Miteinander erleben. Das Außen kann aber nur existieren, wenn es auch… ? Ja! DAS INNEN GIBT! Unser heiligster Ort genau genommen. Ohne INNEN, kein AUSSEN. Irgendwie logisch, oder? SUnd dieses INNEN hat seine GANZ EIGENEN REGELN, die wir gar niemals wirklich verstehen können, geschweige denn bestimmen. Sie formen sich aus unserem Denken und unserem Tun. Das ist SO komplex, dass es für jeden einzelnen absolut individuell zu regeln überlassen sein MUSS.

Unser einzig WAHRES und das Einzige, was uns selbst wirklich gehört:

Unser Körper und unser Geist. 

 

Dieses ZUHAUSE, das wir alle besitzen, ist bei all dem Hab und Gut, welches uns immer wieder vorgegaukelt wird, alles was wir wirklich HABEN. 

Im Außen müssen wir uns ohnehin an Dinge halten, um in einem System wie diesem existieren zu “dürfen”.

Doch was IN UNS SELBST passiert oder nicht passiert, ist meiner lolalogischen Meinung nach völlig klar unsere eigene Sache, WEIL WIR KEINE SACHE SIND! Wir sind das, was wir sind. Wir SIND, was wir aus uns gemacht haben. Diese eine SACHE, die keine Sache IST, soll in unseren Händen bleiben, wenn wir doch schon jeglichen Regeln im Außen Untertan sein müssen, weil ein gemachtes System seine gerasterten Richtlinien fordert. 

 

Ein entwickelter Geist, hat erkannt, wie großartig dieser innere Frieden ist, sich selbst anzunehmen, zu hegen und pflegen, und wird niemals auf die Idee kommen, ein fremdes zu Hause für sich oder irgendwelche Zwecke zu beanspruchen. Weil er ganz einfach zu schätzen weiß, innerlich glücklich und zufrieden zu sein. Bei einer Entwicklung der derzeitigen Umstände, frag ich mich jedoch, ob jemals überhaupt entwickelt wurde.

 

Ob in meinem Körper eine Karotte verdaut wird, ist MEINE Angelegenheit. Ich esse Karotten, wenn mein Körper mir signalisiert, dass er Karotten will. Ansonsten bleiben alle Karotten draußen. Und gut is. Ganz einfach. Ganz logisch. Denn unser Körper spürt, was er braucht. Und weiß er das nicht, vergiftet er sich oder schadet er sich selbst, dann nimmt er dieses Risiko bewusst oder unbewusst in Kauf. Doch er nimmt es in Kauf. Auch das darf er. Es ist SEIN EIGEN. Hier existieren SEINE REGELN.

 

Eine Benehmensstruktur im Außen, ja warum nicht. Das macht schon Sinn. Doch im Innen? Da benehmen wir uns, wie wir das für richtig halten. Niemand sollte diesen Ort von anderen einnehmen lassen oder be-nehmen lassen müssen. 

 

Unser Innen ist unser wirkliches Zuhause. Sollten wir unser zu Hause nicht so einrichten dürfen, wie es uns gefällt? Oder müssen wir jetzt alle pinke Kommoden, karierte Teppiche und blaue Vasen auf die Decke nageln, weil irgendein Vorgesetzter findet, das gehört sich so? Nur wenn wir jedem sein Zuhause lassen, können wir ein friedliches Zusammen schaffen. Denn zwingen wir alle zu pinken Kommoden, karierten Teppichen und blauen Vasen, steigt die Wahrscheinlichkeit enorm, dass wir “pinke Kommoden, karierte Teppiche und blaue Vasen - Hasser” züchten. Lassen wir jedem sein Ding in sich selbst einfach machen, dann wird der eine oder andere vielleicht sogar pinke Kommoden, karierte Teppiche oder auch blaue Vasen, eines Tages sogar ganz von selbst lieben. Und wenn nicht, na dann eben nicht!

 

Manche wollen nun mal altbewährtes sein lassen und andere experimentieren gern herum. Ist doch beides in Ordnung. Ich bin mir sicher, es mache keinen Sinn, alle Einrichtungen zu rastern. Jegliche Individualität ginge flöten und rauskäme ein disharmonisches Durcheinander, weil sich niemand mehr verwirklichen könnte. Es nimmt uns unseren Inneren Frieden über kurz oder lang. Bei uns wohl eher KURZ, nicht wahr?

 

Ich persönlich finde, wir alle haben unsere Gründe etwas zu wollen oder eben nicht zu wollen. Der Zwang etwas wollen zu müssen hat einen bitteren Beigeschmack. Es treibt Keile in uns und zwischen uns. Dabei ist der Keil, der uns in uns selbst spaltet, viel gefährlicher, als der Keil, der daraufhin erst im Außen spaltet. Denn nur wenn wir in uns den Frieden verlieren, weil wir zu etwas gezwungen werden, gehen wir nach Außen und versuchen dort unser Seelenheil wieder herzustellen. All das wäre aber niemals passiert, wenn man uns unser Seelenheil unberührt lässt.

Wir leben in einer Zeit, die permanent ein Schwarz oder Weiß Spiel spielt. WAHRHEIT ODER PFLICHT! Jeder wählt das, was ihm weniger unangenehm scheint. Jeder wähl das, womit er LEBEN KANN. Da geht es gar nicht mehr darum, womit er leben WILL. Es geht darum, was er ertragen KANN. In der Regel wird gewählt, was nicht gar so viel Mut abverlangt.

 

Die einen haben kein Problem blind Befehle auszuführen, die anderen haben weniger Scheu vor der Wahrheit und hinterfragen. Die Frage ist, wer trifft auf lange Sicht die angenehmere Entscheidung? Der, der ausführt oder der, der kein Problem hat, der Wahrheit ins Auge zu sehen? Ich persönlich denke, derjenige, der sich nicht vor der Wahrheit scheut, wird langfristig glücklicher und in sich friedlicher leben können. Zum einen, weil er durch das hinterfragen zu tieferen Einsichten kommt und weil er durch die Wahrheit wachsen kann.

 

Meine ganz persönliche Meinung und warum ich es liebe alles zu hinterfragen ist schlicht und einfach die: Durch meine eigenen Erfahrungen hat sich die Wahrheit immer bewährt. Sie hat mich vor unnötigen Eingriffen bewahrt, hat mich immer nur bereichert und sie hat mich vor allem dazu angeregt in mir selbst klar Schiff zu machen. 

 

Was auch immer jemand entscheidet, wie er quasi in sich selbst wohnen will, ist doch in Ordnung. Ich finde, wir sollten diese eine natürliche Grenze niemals überschreiten: die Grenze von unserem Inneren zum Außen. Lassen wir uns sein wie wir sind, nehmen wir uns gegenseitig diese eine Sache einfach nicht weg, dann und nur dann kann JEDER Frieden finden und das Außen gestaltet sich allmählich ganz von selbst, mit steigender Zufriedenheit harmonisch.

 

Ist das nicht absolut logisch? SO wie du BIST, bist du GENAU RICHTIG! Und genauso sollst du sein dürfen! Durch dieses Annehmen und akzeptieren gewinnt die Seele Ruhe und kann klar werden. Das führt auf natürlichem und schnellsten Weg in ein liebevolles in sich und dadurch erst zu einem liebevollen um sich.

 

Vielleicht hab ich jetzt kein Rezept wie wir die gesamte Krise aus der Welt hexen, doch ich hab ein Rezept wie wir in uns alles ruhig und schön hexen können: Bleib dir treu, vertraue auf dein Gefühl, lass auch alles und alle um dich herum sich selbst treu bleiben und lass jeden vertrauen, worauf er vertrauen will. Mische dich nicht in anderer Seelen ein und hör auf ein anderes Seelen-Zuhause umgestalten zu wollen. Ordne deine innere Struktur und lass dir nichts umgestalten nur, weil einer daherkommt und meint zu wissen wie es geht. Liebe dich selbst bis alles funkelt und glänzt und DAS und NUR DAS wird auf lange Sicht auch andere inspirieren dieses Blingbling auch selbst erschaffen zu wollen. Und letztendlich ist das dann ja doch das beste Rezept um auch jegliche Krise aus der Welt zu hexen.

 

In diesem Sinne, DU BIST RICHTIG, DU BIST GUT! Ganz egal, ob du Karotten magst oder nicht!

Alles erdenklich Liebe für dich, deine LolaLove